„Kommst du mit mir wandern?“ Harmlose Worte für etwas was in einer Social Media dominierten Welt dadurch ausgelöst werden kann. Ein Reel, das diese Verbindung schaffte und dafür sorgte, dass sich 15 fremde Menschen gemeinsam über die Alpen trauten.
Aber von Vorne. Wie ist das, wenn man Bock auf irgendwas hat, aber kein anderer Bekannter, Kumpel oder Freund auf genau die gleiche Sache den gleichen Bock hat. Irgendwie scheiße oder?! Mich begleitet diese Frage schon länger und weil ich täglich Nachrichten von Menschen bekomme, die genau dieses Gefühl in sich tragen, hab ich beschlossen, daran etwas zu ändern. Zumindest in der Bubble, in der ich aktiv bin. Der Wanderbubble. Wieso nicht die Chance nutzen und über Social Media Gleichgesinnte finden, die den gleichen Bock haben, wie man selbst. So schwer kann das doch nicht sein.
Und tatsächlich wurde aus dem Gedanken, die Wanderbuddy-Börse by Lucio, bei lucio_now, wenn man so will. Und während ich in der Erwartung verblieb, dass es mich freuen würde, wenn ein paar Menschen sich hierdurch zum wandern verabreden, wurde diese Erwartung schon nach kurzer Zeit in den Schatten gestellt. Das Video sahen über eine Millionen Menschen. Wahnsinn! Und irgendwie bestärkend in der Annahme, dass ich nicht der Einzige mit dem Gedanken sein konnte, dass Social Media eben auch für sowas gemacht ist. Total cool.
Aus dieser Resonanz redete ich mir einen Auftrag ein und gemeinsam mit Feuer & Eis Touristik organisierte ich die erste Community Wandertour, die direkt eine Alpenüberquerung sein sollte. Eine der „einfachen“ Touren, natürlich immer relativ gelesen, vom Tegernsee in Bayern bis nach Sterzing in Südtirol. 3 Länder, 7 Tage und irgendwas bei 100km, die vor uns standen. Und es fiel mir ein Stein vom Herzen, als trotz der kurzfristigen Organisation und Bekanntgabe des Projekts alle Plätze ausgebucht waren. Also sollte es beginnen. 15 Menschen, die sich nicht kannten, machten sich Ende Juni 2026 auf eine neue Reise. Einmal über die Alpen und damit beginnt ein kleiner Recap von Tagen voller Kaiserschmarrn, Bergseen und brennenden Waden.
Und auf Insta gibt´s noch mehr zu sehen: Folgt da gerne rein für Bergsport, Reisen und den Spagat zwischen Uni und Abenteuer. Ich freu mich auf dich!
Tegernsee für Genießer
Ich glaube, die Aufregung war mir anzusehen und wenn nicht das, dann war sie defintiv in den ersten Worten am Bahnhof Gmund rauszuhören. Eine Ansprache vor 14 Fremden, die sich im Halbkreis im Schatten des Bahnhofvordachs aufgestellt hatten, hält man dann doch nicht jeden Tag. „Voll cool, dass ihr alle da seid, da Bock drauf habt und wir gemeinsam die Alpen überqueren und vor allem: Danke für euer Vertrauen!“ Ein paar Worte zur Idee hinter der Tour und der heutigen Etappe noch und schon konnte es losgehen. Die Koffer hatten wir zuvor schon im Wagen von Feuer & Eis verstaut, der das Gepäck heute zur ersten Unterkunft bringen würde.
Luxus, aber in dieser Woche ein echter Vorteil, denn es sollte mit Temperaturen um die 37 Grad hochsommerlich werden und für jedes gesparte Kilogramm würden wir uns innerlich bedanken. Möglich wäre die Tour auch ohne Gepäcktransfers und mit Bergführer, auf den wir allerdings verzichteten. Ich hatte entschieden die Gruppe nach bestem Wissen und Gewissen über die Alpen zu führen. Und so starteten wir entlang des Ostufers des Tegernsees, durch kleine Waldstücke und über Wiesen bis zum Herzoglichen Bräustüberl Tegernsee. Über 1000 Jahre Bautradition können hier zur Mittagseinkehr gekostet werden. Zum Tegernseer Hellem gibt`s dann neh Brotzeit mit Obatzda oder Leberkas. Wir haben etwas getrunken und dann ging`s gemütlich mit der Fähre nach Bad Wiessee und zur ersten Unterkunft. Eine kurze Schifffahrt, die sich aber wirklich lohnt.
Vom Hotel führt der Fußweg keine 5 Minuten bis zum Ufer und einer kleinen Abkühlung stand nichts mehr im Wege. Der erste Abend ist dann übrigens auch der Einzige, bei dem kein Abendessen in der Reise inkludiert ist. Sonst gibts immer Halbpension – also entschieden wir uns am lauen Sommerabend für eine Pizzeria in der Nähe.
Grenzgänger
Mit dem Shuttle Bus ging es am 2. Tag kurz nach einem ausgiebigen Terrassenfrühstück von Bad Wiessee zum Ausgangspunkt der Tour, die uns heute einiges abverlangen sollte, 820 Höhenmeter standen auf dem Programm und somit der stärkste Anstieg der gesamten Tour. Und der hat es schweißtreibend wirklich in sich. Wir leiden alle ein bisschen, sind aber überglücklich als sich der Schatten der Bäume lichtet und wir die Grenze nach Tirol passieren.
Ein Teil der Gruppe nimmt sogar noch den benachbarten Gipfel des Schildenstein (1613m) mit, also nochmal 50 Meter Bonus. Über wenig belaufene Pfade setzen wir danach den Weg fort Richtung Alpen, wo eine lange Mittagspause unbedingt notwendig war. Wir sitzen, schnabulieren Kuchen und Kaiserschmarrn und lassen für einige Minute einfach so die Seele baumeln. Und wisst ihr was auffällt? Es fühlt sich an wie ein „Unterwegssein“ mit Freunden. Wir kennen uns grad so 24 Stunden, aber die Gruppe ist jetzt schon so zusammengewachsen, dass ich all meine Sorgen während dieser Mittagsstation ablege und mich so richtig auf die nächsten Tage freuen kann.
In der Ferne glänzt schon das Tiroler Meer, der Achensee, den wir am Nachmittag erreichen sollen und dafür auf einem Forstweg den Abstieg wagen. Nach der Mittagspause erst der sich allerdings ganz schön und ich jubelte innerlich, als wir die Straße und die, in den Unterlagen beschriebene, Bushaltestelle Richtung Anfechtung erreichen. Der Tag hatte es in sich. Ein paar nehmen eine Position irgendwas zwischen sitzen und liegen ein, andere stützen sich an den Fahrplanaushang, bis uns der Bus ins Genießerhotel Alpin nach Achenkrich bringt. Fix und fertig, für den Sprung in einen der kältesten Seen Tirols reichts aber noch. Und so eiskaltes Wasser ist ja bekanntlich sowieso die beste Regenerationstaktik. Mega!



So ein Sommertag in Tirol



Wow! Was ein Weg, was für eine Kulisse und was für ein Lebensgefühl. Ich erwische mich beim Staunen, während ich den Blick über die glitzernden Wellen und die umliegenden Gipfel von Karwendel und Rofangebirge schweifen lasse. Wir gehen einen Steig, der teils mit Drahtseilen versichert ist, trotzdem aber auch für nicht geübte Wanderer kein Problem darstellen sollte. Immer wieder laufen wir entlang kleiner Buchten, wo das Wasser an das kroatische Mittelmeer erinnert. Tiefblau und wunderschön. Wir lassen uns Zeit, denn das muss man hier auch, gehen alle zusammen baden und genießen den Tiroler Sommertag.
An der Gaisalm könnt ihr Mittagessen oder euch mit Proviant für die Strecke nach Pertisau eindecken. Ich genieße die Zeit hier sehr, freue mich über die zufriedenen Blicke der Gruppe und beobachte die drei Hunde, die auch dabei sind, bei ihren vorsichtigen Annäherungsversuchen ans Wasser. Ein Eis in Pertisau darf nicht fehlen! Ein absoluter Traum, denn die Tour verläuft heute ausschließlich entlang des Sees, bis nach Maurach, von wo wir den Bus bis ins Inntal und Jenbach nehmen und von dort die Zillertalbahn Richtung Fügen. Hier erwartet uns das Kosis Sporthotel für die Nacht.
Aussichtsreich durchs Zillertal



Heute starten wir entspannt. 14 Kilometer stehen zwar auf dem Plan, die ersten Höhenmeter werden aber durch die Spieljochbahn abgenommen und bringen uns direkt ins Reich der Aussichten auf über 2.000 Meter Höhe. Es wird heiß im Tal und wir sind heilfroh über die angenehmen Temperaturen in der Höhe. Rund um die Bergstation der Spieljochbahn kann man es übrigens super für einen Familientrip aushalten. Hier warten Spielgeräte, Teiche, Trampoline und Erlebnispfade auf kleine Besucher. Wir lassen die Kinderwelt links liegen und nehmen nach 15 Minuten Gehzeit direkt das erste Gipfelkreuz mit.
Das Onkeljoch (2.066m) ermöglicht einen traumhaften Blick ins Tal, bevor wir gratähnlich weiterziehen Richtung Gartalm. Hier gibt`s richtig gute Jausenbretter und die Wirtsleute sind gut lieb. Über kleine Pfade geht`s entlang von Zirben und anderen Nadelbäumen weiter bis zum Tagesziel Hochfügen. Vor allem für den Skitourismus bekannt, raus hier im Sommer deutlich ruhiger und mit dem Berghotel Hochfügen haben wir definitiv eine gute Möglichkeit gefunden den Nachmittag richtig ausklingen zu lassen. Pool und Sauna nach so einem Tag sind dann eben doch ein Geschenk. Und das Abendessen hier, lässt mich jetzt noch träumen!



Joch-Erklimmer
Früh morgens machen wir uns auf den Weg Richtung Sidanjoch, immer Neuland des Fügenbachs, dessen Rauschen sich mit dem Zirpen der Grillen mischt. Der Blick in die Tuxer Alpen wird von Höhenmeter zu Höhenmeter beeindruckender und erreicht am Joch auf 2.127 Metern śden Höhepunkt. Von hier blicken wir auf den bereits zurückgelegten Ansteig und die letzten Gebäude von Hochfügen, bevor wir zum Mittagessen in der Rastkogelhütte einkehren. Sie ist Teil des Inntaler Höhenwegs, ist DAV Scghutzhütte und hält deftige Hausmannkost, Suppe oder andere Tiroler Spezialitäten bereit.
Danach sind wir unentschlossen, ob wir den nahegelegenen Gipfel noch mitnehmen sollen, entscheiden uns dann aber doch alle dafür un bereuen keine Minute des Gipfelglücks 30 Minuten später. Hier zu stehen und zu wissen, dass alle diese gleiche Leidenschaft teilen und diesen Moment wahrscheinlich noch viel länger im Herzen tragen werden, macht mich unendlich glücklich.
Das Kreuzjoch kennzeichnet damit die höchste Erhebung unserer gesamten Alpenüberquerung. 2.336 Meter hoch. Von hier scheint, die eben noch besuchte Hütte so winzig. Ein paar Kilometer weiter, die alle eins gemeinsam haben – eine traumhafte Aussicht über Zillertal und Tuxer Alpen, erreichen wir den Aussichtspunkt Melchboden, von wo uns der Bus 8340 bis nach Mayrhofen bringt. Morgen geht´s ins Reich der Gletscher und nach Italien. Ich kanns doch kaum erwarten.
Gletscherwelt und Bella Italia
Nachdem uns der Bus morgens von Mayrhofen aus tief hinein in das hintere Zillertal gebracht hat, stehen wir direkt vor einer echten Naturgewalt: dem Schlegeisspeicher. Der riesige Stausee, eingerahmt von steilen Felswänden und Gletschern, bietet eine beeindruckende Kulisse. Die gigantische Staumauer hält hier im Schnitt rund 106 Millionen Kubikmeter Wasser. Von hier und der leuchtend blauen Talsperre, geht der Weg stetig bergauf zum Pfitscher Joch (2.275 m). Für mich war der Weg, neben der Tour entlang des Achensees, das Highlight der gesamten Überquerung. Ein toller und abwechslungsreicher Wanderweg, begleitet von Wasserfällen und einer Landschaft, die vom ewigen Eis erzählen kann. Nach knapp zwei bis drei Stunden intensivem Aufstieg ist es geschafft: Wir stehen am Pfitscher Joch (2.275 m), dem Alpenhauptkamm!
Oben angekommen heißt es erst mal durchatmen, die Windjacke überwerfen und den Blick schweifen lassen. Unweit des Pfitscher-Joch-Haus, wo wir heute zum Mittag einkehren, liegen mehrere Hochgebirgsseen, die für Hartgesonnene zum verdienten Bad einladen.
Der Abstieg führt uns dann hinunter ins idyllische Pfitschtal. Begleitet vom Rauschen des Wildbachs wandern wir durch duftende Almwiesen und vorbei an urigen Höfen. Das italienische Flair ist sofort spürbar – die Luft riecht anders, die Häuser sehen anders aus und die Vorfreude auf ein kühles Getränk im Etappenziel (St. Jakob im Pfitschtal) wächst mit jedem Meter. Und St. Jakob hat mich sehr überrascht, denn das Bergmassiv, das sich hier auftürmt, hat uns gar nicht sattsehen lassen.
Ein wunderschöner Tag und am Abend ein leicht melancholischer, denn es ist bereits der vorletzte Abend. Wir kommen das erste Mal ins Gespräch, über die vergangenen Tagen, die Gruppenstimmung, all die Erlebnisse bis hierher und wollen abends gar nicht in die Zimmer, als der Wirt die Bar zusperrt.
Sterzing – Das Grande Finale
Der finale Tag! Heute soll uns Sterzing begrüßen. Vom morgendlichen Start in St. Jakob führt der Weg sanft und stetig durch das weite Pfitschtal hinaus. Immer an der Seite des wild rauschenden Pfitscher Bachs wandert man entlang kleiner Südtiroler Höfe, wird von Kühen und Schafen beschnuppert und versucht sich irgendwie darüber im Klaren zu werden, wie schnell doch die letzten Tage vorbeigingen. Eine so friedliche Zeit mit neuen Menschen, die sich alle für das Eine faszinieren ließen. Schritt für Schritt weitet sich das Tal, während die Berggipfel im Rücken langsam kleiner werden.
Am späten Nachmittag ist es geschafft: Man erreicht Sterzing, die nördlichste Stadt Italiens. Der Anblick der mittelalterlichen Altstadt mit ihren bunten Giebelhäusern, den charakteristischen Laubengängen und dem bekannten Zwölferturm belohnt für jeden einzelnen zurückgelegten Kilometer der gesamten Tour vom Tegernsee.
Wir haben es geschafft! Und was macht man um genaues diesen Moment gebührend zu feiern? Pizza essen, na klar. Wir kehren ein in einem urigen Innenhof, von dem Sterzing in der Innenstadt viele hat, fallen auf die Stühle und könnten kaum glücklicher sein. Auch das Hagelschauer ändert an diesem Gefühl gar nichts – wir hatten so ein Wetterglück.
Nach einer Stadtführung und einer Schnapsverkostung (beide Aktivitäten sind in der Tour inkludiert) kommen wir für den letzten Abend im Hotel bei bestem Dinner zusammen. Eine kleine Überraschung hab ich noch, denn jede/r Teilnehmer: in bekommt eine Urkunde!
Am nächsten Tag geht´s mit dem Bus von Sterzing zurück zum Tegernsee, wo wir uns voneinander verabschieden und die Alpenüberquerung zu einer einzigartigen Erinnerung wird. Im Nachhinein bin ich so dankbar für die Strecke, die Menschen, die Eindrücke und diese Gemeinschaft, die entstanden ist. Mut wird belohnt, das ist wohl einfach so und eine Communitytour wird es höchstwahrscheinlich schon ganz bald nochmal geben.
*anzeige
































